Bild: Fundriver, Lizenz: CC BY-SA 2.5 ch

Stanleysittich als Haustier

Stanleysittiche sind vom Wesen her sehr friedfertige und freundliche, aber dennoch lebhafte Vögel, die relativ zutraulich werden können. In der Regel sind sie recht leise, was aber nicht heißt, dass sie nicht auch mal aufdrehen können.

Einzelhaltung kommt auch bei Stanleysittichen nicht Frage. Sie können zu zweit oder in kleinen Gruppen gehalten werden - je nachdem, wie viel Platz (und Geld für die Versorgung!) zur Verfügung steht.

Wissenswertes über Stanleysittiche

Der Stanleysittich (Platycercus icterotis) wird auch Gelbwangensittich genannt. Es gibt zwei Unterarten: den Platycercus icterotis icterotis und den Platycercus icterotis xanthogenys, die im Inland bis zur Küste Südwest-Australiens beheimatet sind.

Gemutmaßt wird, dass der Platycercus icterotis xanthogenys eigentlich eine Kreuzung aus Rosellasittich und Pennantsittich ist. Auch andere Sitticharten könnten mitgemischt haben. Plattschweifsittiche sind untereinander und auch mit einigen Singsitticharten fruchtbar. Die hieraus entstehenden Hybriden sind oftmals fortpflanzungsfähig. Gezielt sollten derlei Mischzuchten niemals durchgeführt werden. Sie gefährden die Art.

Auch sollten die verschiedenen Arten nicht miteinader vergesellschaftet werden. Glücklich werden sie nur mit einem artgleichen Partner.

Wesen

Lebhaft, friedlich, eher zutraulich.

Stimme / Lautäußerungen

Entspannte Stanleysittiche quasseln recht leise vor sich hin. Dieses Erzählen und Trällern klingt melodisch und angenehm. Sind sie aufgeregt, geben sie scharfe, laute Rufe von sich. In der Balz singen die Männchen abwechslungsreich und können dabei auch durchaus laut werden.

Nahrung

Samen und kleine Nüsse, Früchte, Gemüse, Getreide, Hirse, Kräuter, aber auch Insekten und Larven; kleine Steine zur Verdauung.

Aussehen

Stanleysittiche sind die einzigen Sittiche ihrer Gattung, bei denen Männchen und Weibchen unterschiedliche Färbungen zeigen (Geschlechtsdimorphismus). Männliche Tiere haben einen roten Kopf, Bauch und Brust und einen leuchtend gelben Wangenfleck (beim Platycercus icterotis xanthogenis etwas blasser). Die Flügel sind schwarz, grün und gelb (Platycercus icterotis xanthogenis: eher grau). Seine Schwungfedern sind blau. Der Platycercus icterotis icterotis zeigt generell eine kräftigere Färbung als der xanthogenis.

Weibliche Stanleysittiche sind bei beiden Arten hauptsächlich grün-braun mit etwas Blau. Ihr Kopf und und ihre Brust sind oft rot durchsetzt. Ihre Wangenflecken reichen meistens nicht bis zum Auge und sind eher schwach gefärbt.

Erwachsene Tiere haben graue Beine und hellgraue Schnäbel. Die Jungtiere sind fast komplett grün. Ihre Wangenflecken sind zunächst kaum erkennbar.

Größe

Stanleysittiche sind etwa 24 - 27 cm lang.

Verhalten, Lebensweise

Stanleysittiche führen oft sehr innige, lebenslange Partnerschaften. Außerhalb der Brutzeit finden sich Paare gern zu kleineren Gruppen zusammen. In der Brutzeit sind Stanleysittiche allerdings eher aggressiv. Die Gruppenbildung löst sich in dieser Zeit auf. Stanleysittiche klettern und baden gern. Sie nagen eher wenig. Ihr Futter suchen sie gern am Boden.

Die Haltung von Stanleysittichen

Stanleysittiche sind sehr gesellige Vögel und sollten deswegen - wie alle anderen Sittiche auch - niemals einzeln, sondern nur paarweise gehalten werden. Bei einem ausreichenden Platzangebot und Trennungsmöglichkeiten können mehrere Paare zu einer kleinen Gruppe vergesellschaftet werden. In Brutlaune sind Stanleys allerdings oft aggressiv - für diese Zeit müssen die Paare dann wieder separiert werden. Brutstimmung kann schon allein durch längere Tage im Frühjahr, Sonne und einem reichhaltungen Futterangebot entstehen, ohne dass man Zuchtabsichten hat.

Stanleys sollten immer als echtes Pärchen, also ein Männchen mit einem Weibchen, gehalten werden. Zwei weibliche Vögel werden sich im Optimalfall tolerieren, aber keine echte Beziehung zueinander aufbauen. Zwei Männchen können sich ab der Geschlechtsreife bis aufs Blut bekämpfen.

Werden Stanleysittiche zahm?

Ein Pärchen Stanleysittiche kann durchaus sehr zahm werden, wenn man sich intensiv mit den Vögeln beschäftigt. Wer großen Wert auf Zahmheit legt, trifft mit Stanleys dennoch nicht die beste Wahl. Sie sind zwar verspielt, aufgeschlossen und neugierig, aber andere Vogelarten sind generell leichter zu zähmen sind.

Käfig oder Voliere?

Ein ausreichendes Platzangebot ist für die Haltung von Plattschweifsittichen unverzichtbar, denn sie sind begeisterte Flieger und gern aktiv - so auch Stanleysittiche. Eine große Außenvoliere mit frostfreiem Schutzraum, der im Winter mindestens 5°C haben sollte, kommt dem Bewegungsdrang der Stanleys besonders entgegen.

Käfige oder handelsübliche Zimmervolieren sind für eine dauerhafte Unterbringung zu klein. Ausnahme: Wenn die Vögel einen Raum zur Verfügung haben, in dem sie ganztägig frei fliegen können, sind Käfige und Volieren zur Übernachtung und als Futterplatz okay.

Ist ganztägiger Freiflug nicht möglich, muss die Zimmervoliere entsprechend groß sein. 1,5 Meter Länge sollte sie mindestens haben. Je größer, desto besser! Dennoch ist Freiflug natürlich unverzichtbar.

Einrichtung der Voliere

Ungespritzte Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern, davon der eine oder andere gern frei schwingend, sind naturnah und dienen der Fußgesundheit. Die Krallen können sich mit Naturästen gut selbst abnutzen, und verschiedene Ausstärken trainieren die Fußmuskulatur. Die Voliere sollte nicht überfrachtet werden, damit genug Platz für einige Flügelschläge bleibt.

Stanleys klettern gern und viel. Verzweigte Äste wie die der Korkenzieherweide oder Kletterseile werden gern angenommen. Auch Baden steht bei Stanleysittichen hoch im Kurs, daher sollten sie möglichst immer eine Bademöglichkeit zur Verfügung haben. Eine flache Schale mit frischem Wasser oder nassem Grünzeug bringt Badespaß. Eine frisch befüllte Blumenspritze wird zur Vogeldusche. Die Blumenspritze sollte am besten nur für die Vögel angeschafft und verwendet werden, damit keine Rückstände im Wasser sind.

Ernährung

Die Basis zur Ernährung von Stanleysittichen ist Großsittichfutter ohne Erdnüsse und mit wenig oder keinen Sonnenblumenkernen. Ergänzt wird das Körnerfutter durch die tägliche Gabe von Obst, Gemüse und Grünfutter. Abwechslung hält die Vögel gesund und macht Spaß. Und nicht die Geduld verlieren: Viele Sittiche sind anfangs skeptisch bei für sie ungewohnten Leckereien. Hier muss man einfach immer wieder ausprobieren und kombinieren, bis die Stanleys auf den Geschmack gekommen sind. Grünfutter wird oft schneller angenommen als farbenfrohes Obst. So kann man die Lieblingsleckerei zusammen mit etwas bislang Verschmähtem anbieten, um die Stanleys zum Probieren zu verführen.

Ein bis zwei Mal pro Woche sollte Quellfutter oder Keimfutter angeboten werden. Die Futtermischung wird hierzu in eine Schale mit Wasser gegeben und etwa alle acht Stunden in einem Sieb mit Wasser durchgespült. Nach 24 Stunden hat man Quellfutter, das verfüttert werden kann. Für Keimfutter fährt man mit dem Durchspülen fort, gibt die Körner nach einem Tag aber nicht mehr in Wasser, sondern schüttet sie feucht und abgetropft und die Schale. Diese wird locker abgedeckt. Die Körner werden weiterhin mit Wasser gespült. Nach weiteren ein bis zwei Tagen beginnt das Futter zu keimen. Nun kann es als Keimfutter angeboten werden - direkt vorher noch einmal spülen. Die Keimlinge sollten maximal einen Zentimeter lang sein, sonst schmeckt das Futter bitter.

Achtung besonders an wärmeren Tagen: Sollte das Keimfutter komisch riechen, ist es verdorben und muss sofort entsorgt werden! Gleiches gilt für Obst und Gemüse.

Ein Mineralpickstein und Vogelgrit sind wichtige Ergänzungen, um die Vögel mit allem zu versorgen, was sie benötigen.

Fertig gekaufte Pickstangen enthalten zu viel Zucker. Eine bessere Alternative ist gelbe oder rote Kolbenhirse. Aber auch diese sollte nur in Maßen angeboten werden, da sie sehr kalorienreich ist.

Obst- und Gemüse für Stanleysittiche

Ungespritztes Obst und Gemüse wäre der Optimalfall. Falls dies nicht möglich ist, muss gründlich gewaschen oder auch geschält werden. Auch ungeschwefeltes und ungesüßtes Trockenobst darf verfüttert werden (aber keine Pflaumen).

Obst

Ananas, Aprikose, Apfel, Banane, Birne, Brombeeren, Datteln, Erdbeeren, Feigen, Himbeeren, Johannisbeeren, Kaki, Kaktusfeige (geschält), Kirschen (entkernt), Kiwi (geschält), Mandarine, Mango (geschält), Melone, Orange, Papaya, Pfirsich, Sanddornbeeren, Weintrauben

Saure Zitrusfrüchte (Grapefruit, Zitrone, Limette) dürfen wegen des hohen Säureanteils nur in kleinsten Mengen angeboten werden.

Gemüse (roh)

Auberginen, Brunnenkresse, Chicoree, Erbsen und Erbsenschoten, Karotten, Kartoffeln (gekocht), Mais (Stückchen vom Maiskolben oder halbreife ausgelöste Maiskörner, kein Dosenmais!), Mangold, Paprika, Salat (Eisberg, Endivien, Feldsalat), Salatgurke, Spinat, Staudensellerie, Zucchini

Wildkräuter

Flohknöterich, Gänseblümchen, Gemeines Kreuzkraut, Hirtentäschelkraut, Klee, Löwenzahn, Rispengras, Sauerampfer, Vogelmiere, Wegerich, Wiesenschaumkraut

Unverträgliches / giftige Obst und Gemüse

Avocados, gespritzter Salat, Kartoffeln (roh oder grün), Kohl (alle), Pflaumen, Rhabarber